Buchten, Fjorde und Insel von ungezähmter
Schönheit erinnern an die Tage der Wikinger. Aber nicht nur die
Natur im Norden ist einzigartig. Ebenso bemerkenswert ist, dass sich
hier, am Rande Europas, eine Musikkultur von großer
Eigenständigkeit entwickelt hat, die uns gleichzeitig vertraut und
exotisch erscheint. Die großen Epen des germanischen
Sprachraums wurden rezitierend überliefert, und die Inselbewohner
sangen ihre Volkslieder in modern anmutender Terzen-Seeligkeit, als im
restlichen Europa die reine Quinte noch der harmonische Bezugspunkt war.
Nur wenige authentische Spuren aus der Wikingerzeit sind
erhalten, drei der Lieder des Programms (Hardt vi hogg
/Kråkemål, Harald Hardrådes kvad, Lilja) gehen
angeblich auf solch alte Überlieferungen zurück.
Aufgezeichnet wurden sie im Barock von Jean Benjamin de la Borde (1734
- 1794), der eine Anthologie der Musik der Völker herausgab. Auch
wenn also sehr spät erst dokumentiert lässt der Stil der
Stücke doch darauf schließen, dass sie sehr alten Ursprungs
sind.
Ähnlich verhält es sich mit den Volkliedern: aufgezeichnet im
19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weisen sie in Melodie und
Thematik weit in die Vergangenheit zurück. Die isolierte Lage der
Aufzeichnungsorte - oft abgelegene Dörfer und Höfe in
Nord-Norwegen oder auf den Inseln - hat hier dazu beigetragen, uraltes
Liedgut lebendig zu erhalten.
Eingebunden haben wir die Musiken in das Märchen "Östlich der Sonne und westlich des Mondes".
Auch wenn also diese Kombination von gelesener Handlung, gesungenen
Elementen und Bildprojektionen in diesem Falle also von uns stammt,
steht auch hier eine uralte Tradition im Hintergrund: die Vermischung
verschiedener Vortragsformen hat ihre Heimat bei den herumziehenden
Wandermusikern. Diese - Vaganten, Bänkelsänger,
Moritatenerzähler - gab es in allen Jahrhunderten und sie
durchzogen ganz Europa um Lieder und Erzählungen zu sammeln.